Einleitung
Die Klima-Allianz Witten ist ein Zusammenschluss von Initiativen und Einzelpersonen mit dem Ziel, klimaschädliche Emissionen in Witten wirksam und zügig zu reduzieren. Sie wurde 2019 gegründet und ist als gemeinnütziger Verein organisiert.
Der Stadtrat der Stadt Witten hat beschlossen, Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen. Die kommunale Wärmeplanung ist hierfür eines der zentralen strategischen Instrumente, da der Wärmesektor einen wesentlichen Anteil an den lokalen Treibhausgasemissionen hat. Vor diesem Hintergrund beziehen wir Stellung, ob das Klimaneutralitätsziel mit dem bisherigen Planungsstand realistisch erreichbar ist. Diese Stellungnahme richtet sich an Verwaltung und Politik der Stadt Witten sowie an alle am Prozess der kommunalen Wärmeplanung Beteiligten.
Würdigung positiver Aspekte
Klare Analyse der Ausgangslage
Die Bestandsanalyse zeigt eindeutig die starke Abhängigkeit des Wittener Wärmesektors von fossilen Energieträgern und die daraus resultierenden hohen Treibhausgasemissionen. Diese Klarheit ist eine notwendige Grundlage für wirksamen Klimaschutz.
Breite Betrachtung erneuerbarer Wärmeoptionen
Die systematische Analyse von Umweltwärme, Geothermie, Solarthermie, Abwärme, Biomasse und Sanierungspotenzialen macht deutlich, dass eine klimaneutrale Wärmeversorgung technisch grundsätzlich möglich ist.
Realistische Einordnung von Wasserstoff
Ausdrücklich positiv hervorzuheben ist die kritische Bewertung von Wasserstoff für den Raumwärmebereich. Die Präsentation vermeidet unrealistische Erwartungen und benennt die erheblichen Unsicherheiten klar.
Zentrale Kritikpunkte aus Sicht des Klimaschutzes
Rückschritt bei Transparenz und Planungsorientierung
In einer Präsentation im Rathausforum am 29. Oktober 2025 wurde bereits eine Karte vorgestellt, die Gebiete auswies, in denen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine zentrale Wärmeversorgung (z. B. über Wärmenetze) realisiert werden wird. Diese Darstellung war aus Sicht des Klimaschutzes und für die Bevölkerung ausgesprochen wertvoll.
Gerade für Hauseigentümer:innen stellt eine solche Karte eine wichtige Investitions- und Planungsgrundlage dar, etwa für Entscheidungen zu Heizungsersatz, Sanierung oder Wärmepumpen. Sie trägt zudem dazu bei, Fehlinvestitionen und Verzögerungen bei der Dekarbonisierung zu vermeiden.
Dass eine vergleichbare Karte in der nun vorliegenden Zwischenergebnispräsentation fehlt, ist aus unserer Sicht enttäuschend. Die aktuelle Präsentation fällt damit inhaltlich und kommunikativ hinter einen bereits erreichten Stand zurück.
Aus Klimaschutzsicht ist dies problematisch, da frühzeitige Orientierung und Planungssicherheit entscheidend dafür sind, dass die Einwohner:innen Wittens rechtzeitig in klimafreundliche Lösungen investieren.
Für das Vertrauen in den Prozess ist entscheidend, dass Inhalte, die öffentlich präsentiert wurden, in späteren offiziellen Unterlagen zumindest erklärt, eingeordnet oder transparent weiterentwickelt werden. Größere Abweichungen oder das Weglassen zuvor gezeigter Inhalte sollten nachvollziehbar begründet werden, um Verunsicherung in der Bevölkerung zu vermeiden. Wir halten es für dringend erforderlich, diese Kartendarstellung wieder aufzunehmen, öffentlich zugänglich zu machen und im weiteren Prozess verbindlich fortzuentwickeln, sodass sie als verlässliche Orientierungs- und Entscheidungsgrundlage für Eigentümer:innen dienen kann.
Fehlende konsequente Ausrichtung auf das Zieljahr 2040
Die Zwischenergebnisse sind bislang nicht klar und nachvollziehbar auf das vom Stadtrat beschlossene Ziel der Klimaneutralität bis 2040 ausgerichtet. Dies hat sicherlich auch damit zu tun, dass bisher nur die Bestands- und Potentialanalyse durchgeführt wurde. Für die weitere kommunale Wärmeplanung sind aus unserer Sicht aber erforderlich:
- ein quantifizierter Emissionsminderungspfad bis 2040,
- eine zeitliche Priorisierung zentraler, gut umsetzbarer Maßnahmen,
- sowie eine klare Aussage, welche Beiträge einzelne Maßnahmen zur Zielerreichung leisten sollen.
In der bisherigen Darstellung fehlt eine klare Unterscheidung zwischen kurzfristig nutzbaren Potentialen (bis 2030) und langfristigen Transformationsoptionen. Für das Erreichen der Klimaneutralität bis 2040 ist jedoch entscheidend, dass bereits in diesem Jahrzehnt substanzielle Emissionsminderungen realisiert werden. Die folgenden Planungsschritte müssen klare Prioritäten und zeitliche Konkretisierungen als Ergebnis haben.
Angesichts der langen Investitionszyklen im Gebäudebestand bedeutet jede weitere Verzögerung, dass das Erreichen der Klimaneutralität bis 2040 zunehmend unrealistisch wird.
Fehlende Aussagen über die Zukunft des Wittener Gasnetzes
Die Bestandsanalyse zeigt eine flächendeckend etablierte Gasnetzinfrastruktur mit über 14.000 angeschlossenen Gebäuden. Diese Infrastruktur prägt Investitionsentscheidungen und Erwartungshaltungen maßgeblich. Ohne eine klare Perspektive für einen schrittweisen Rückbau bzw. die Umnutzung dieser Infrastruktur besteht die Gefahr erheblicher Lock-in-Effekte, die das Erreichen der Klimaneutralität bis 2040 zusätzlich erschweren.
Überbetonung technischer Potenziale
Die wiederholte Aussage, dass technische Wärmepotenziale bilanziell ausreichen, ist aus Klimaschutzsicht nicht ausreichend. Entscheidend ist, welche Potenziale realistisch und rechtzeitig auch tatsächlich bis 2040 erschlossen werden können! Diese Unterscheidung wird bislang zu wenig konkret getroffen. Auf Folie 43 erfährt man nur Summen, in denen Energie enthaltenDie Analyse weist sehr hohe theoretische Wärmeeinsparpotenziale durch Gebäudesanierung aus. Ergänzend sollte jedoch deutlicher gemacht werden, dass diese Potenziale nur unter günstigen Rahmenbedingungen erreichbar sind und stark von Sanierungsraten, finanziellen Möglichkeiten der Eigentümer:innen, und sozialen und baulichen Restriktionen abhängen.
Für die Zielerreichung bis 2040 ist daher eine realistische Einschätzung erforderlich, welcher Anteil dieser Potenziale tatsächlich erschlossen werden kann. Ohne flankierende soziale, finanzielle und beratende Instrumente besteht die Gefahr, dass entsprechende Annahmen zu optimistisch sind und die tatsächliche Emissionsminderung deutlich geringer ausfällt. ist, die nur bedingt genutzt werden kann. Sehr viel interessanter und wichtiger als diese Zahlen wären hier die genauen Größen der gut nutzbaren Wärmepotenziale.
Für die weiteren Schritte der Wärmeplanung sollte über die technischen Potenziale hinaus eine soziale und ökonomische Bewertung sowie eine Risikoanalyse enthalten sein. Wichtige Fragen sind dabei die sozialen Auswirkungen auf Mieter:innen und Eigentümer:innen und welche Umsetzungs- und Akzeptanzhemmnisse bestehen könnten. Weiterhin wäre eine Analyse der Fachkräfteverfügbarkeit und Maßnahmen zu ihrer Steigerung wichtig.
Sanierungspotenziale: Realisierbarkeit bis 2040 unklar
Die Analyse weist sehr hohe theoretische Wärmeeinsparpotenziale durch Gebäudesanierung aus. Ergänzend sollte jedoch deutlicher gemacht werden, dass diese Potenziale nur unter günstigen Rahmenbedingungen erreichbar sind und stark von Sanierungsraten, finanziellen Möglichkeiten der Eigentümer:innen, und sozialen und baulichen Restriktionen abhängen.
Für die Zielerreichung bis 2040 ist daher eine realistische Einschätzung erforderlich, welcher Anteil dieser Potenziale tatsächlich erschlossen werden kann. Ohne flankierende soziale, finanzielle und beratende Instrumente besteht die Gefahr, dass entsprechende Annahmen zu optimistisch sind und die tatsächliche Emissionsminderung deutlich geringer ausfällt.
Biomasse differenziert betrachten
Die Potenzialanalyse weist Biomassepotenziale aus. Aus Klimaschutzsicht ist dabei wichtig, klar zwischen begrenzt verfügbaren, ökologisch verträglichen Reststoffen (z. B. Grünschnitt, Abfälle) und potenziell problematischen Formen der Biomassenutzung mit Flächenkonkurrenz
zu unterscheiden. Eine solche Differenzierung trägt dazu bei, Fehlentwicklungen zu vermeiden und Biomasse gezielt nur dort einzusetzen, wo sie sinnvoll ist.
Schlussbemerkung
Die Klima-Allianz Witten begrüßt ausdrücklich, dass die Stadt Witten die kommunale Wärmeplanung vorantreibt. Gleichzeitig erwarten wir, dass der weitere Prozess:
- konsequent am Zieljahr 2040 ausgerichtet wird,
- Transparenz und Planungssicherheit für die Bevölkerung stärkt,
- und bereits erreichte Standards der Offenheit und Orientierung nicht wieder zurücknimmt.
Gerne bringen wir uns auch weiterhin konstruktiv in den Prozess ein. Dabei verstehen wir uns ausdrücklich als konstruktiver zivilgesellschaftlicher Partner für einen ambitionierten und transparenten Transformationsprozess.











